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keynesianismus

Wirtschaftspolitische Implikationen:

Wichtig für das Verständnis der grundlegenden Keyneschen Theorie ist, daß die noch in Klassik vorherrschenden Trennung von realen und monetären Märtken, bei Keynes keine Gültigkeit mehr hat. Es gibt keinen Vollbeschäftigungsautomatismus und es besteht die Möglichkeit für gesamtwirtschaftliche Gleichgewichte bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit. Dies war im Vergleich zur damals herrschenden ökonomischen Lehrmeinung revolutionär. Darüber hinaus wird bei Keynes das Saysche Theorem, nachdem sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft, verneint. Bei Keynes können die Wirtschaftspläne der Unternehmen im allgemeinen nicht verwirklicht werden.

Wie kann nun aber wieder Vollbeschäftigung hergestellt werden?

Hier kommen nun staatliche Eingriffe zur Wiederherstellung von Vollbeschäftigung zum tragen. Zum einen kann durch eine expansive Geldpolitik die Geldmenge ausgeweitet werden, um den Zins so weit zu senken bis durch die gestiegenen Investions- und Güternachfrage wieder Vollbeschäftigung erreicht ist. Die höhere Beschäftigung wird aber hier mit Reallohnsenkungen und einer höheren Inflation erkauft.

Eine Ausnahme bildet der Spezialfall der Liquiditätsfalle, bei die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte so negativ sind, daß sie nur Verluste aus einem Wertpapiergeschäft erwarten, und das "Mehrgeld" aus der expansiven Geldpoltik nur als Kasse halten. Die expansive Geldpolitik kann hier keine ausreichende Zinssenkung erreichen.

Die oben genannten, positiven Effekte treten gerade dann auf, wenn wie bei Keynes unterstellt, die Nominallöhne starr sind und sich aufgrund der Preissteigerungen keine höheren Nonimallohnforderungen ergeben. Dies kann bei einem kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont durchaus realistisch erscheinen, da Tarifverträge mit einer 1-2 jährigen Laufzeit abgeschlossen werden. Inwieweit aber diese Reallohnsenkung nur temporär sind, und in die Nominallohnforderungen bei den nächsten Tarifverhandlungen eingehen und damit die kurzfristigen positiven Effekte wieder rückgängig machen, war insbesondere Kritik der Monetaristen am keynesianischen Modell.

Geld wird hier nicht nur, wie bei den Klassikern, als Schmiermittel für die Wirtschaft angesehen.

Eine andere Möglichkeit besteht in einer expansiven Fiskalpolitik.. Die staatlichen Ausgaben treten hier für die fehlenden und durch die Geldpoltik nicht stimulierbaren privaten Investitionen. Der Staat entfaltet eine zusätzliche Nachfrage am Kapital- und Gütermarkt. Mit der höheren Nachfrage steigt sowohl der Zins als auch das Preisniveau. Das höhere Preisniveau bewirkt wieder eine Senkung des Reallohns der zu einer höheren Produktion und steigender Beschäftigung führt.

Gerade die expansive Fiskalpolitik wurde in den 60iger und 70iger Jahren als gutes Instrument für eine staatliche Stabilisierungspoltik angesehen. Unbeachted blieb aber, (aus politischer und wahltechnischer Sicht durchaus verständlich) daß die positiven Effekte mit durch Preissteigerungen hervorgerufenen Reallohnsenkungen erreicht wurden. Diese werden jedoch bei den nächsten Tarifrunden in die Lohnforderungen der Gewerkschaften berücksichtigt, so daß sich letztendlich wieder das alte Gleichgewicht mit Arbeitslosigkeit einstellt, nur daß jetzt noch eine höhere Inflationsrate vorliegt.

Aber es kann nicht, wie bei den Monetaristen, behauptet werden staatliche Eingriffe, insbesondere fiskalpolitische, hätten nur negative realwirtschaftliche Effekte. Der Staat mit der Möglichkeit durch seine Ausgaben die Konjunktur im Rahmen seiner Möglichkeiten zu steuern ist nach meiner Meinung vorhanden. Er muß bloß die Grenzen dieser Steuerungsmöglichkeit erkennen und akzeptieren. Als Beispiel mag hier der Vorschlag einer negativen Einkommenssteuer dienen, mit dem gerade in Bereich der gering-qualifizierten Arbeitsnachfrage, Abhilfe geschafffen werden kann.

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