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Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland

Bedeutung für die Volkswirtschaft

Man kann die Wirtschaft gut und durchaus treffend mit dem Blutkreislauf des Menschen vergleichen. Das Geld ist das Blut, das die Zellen bzw. die Menschen versorgt, die irgendwo in dem Organismus an einem der unzähligen Blutgefäße angesiedelt sind. Je größer das Blutgefäß ist, an dem ein Mensch sein Lager aufgeschlagen hat, desto mehr Geld fließt ihm ständig zu. Die Reichen umlagern also die Aorta und die Armen irgend welche weit entfernten kleinen Äderchen, in denen womöglich schon kein Blut mehr fließt. In einem gesunden Organismus werden alle Zellen (Menschen) gut versorgt. Ist der Blutkreislauf krank und konzentriert der Blutkreislauf (Geldkreislauf) sich immer mehr auf die großen und immer größer werdenden Blutgefäße, dann kommt in weiten Teilen des Organismus der Blutfluss zum Erliegen. Ebenso ist es mit der Wirtschaft.

Ostdeutschland hat uns das bis in die Gegenwart sehr deutlich gemacht. Wenn Sie einen Blick in die "ehemalige" DDR werfen, werden Sie sicher mit mir feststellen, dass die Wirtschaft dort nicht richtig läuft und wohl noch lange nicht laufen wird. Vor Anfang der 90er Jahre waren der Grundstücksverkehr und die Baubranche wohl die einzigen Bereiche, die dort florierten. Nach der "Wiedervereinigung" hat man sehr viel davon gehört, wie "Wessis" in Ostdeutschland Häuser und Industrie (also auch Grund und Boden) "eingekauft" hätten. Von der Wirtschaft sind große Teile der ostdeutschen Bevölkerung ausgeschlossen. Sie sind allenfalls als Arbeitnehmer tätig.

Jedes (kleine, mittlere oder große) Unternehmen, das kein Geld einnimmt, kann (auf Dauer) auch keines ausgeben. Der Konkurs eines Unternehmens zieht häufig den Konkurs von anderen nach sich. Es liegt letztlich im Interesse von jedem Unternehmer, dass überall in seinem Umfeld genug Geld verdient wird, damit es dann auch bei ihm wieder ausgeben wird. Hier geht es nicht um das ähnliche Argument von Gewerkschaften für Lohnerhöhungen. Hier geht es darum zu zeigen, dass immer weitere Wirtschaftsbereiche absterben, weil Vermögen sich immer mehr in den Händen Weniger konzentriert. Das ist eine schleichende Entwicklung.

Bezogen auf die Arbeitslosenzahlen ergibt sich eine merkwürdige Parallele zu dem oben gezeigten Zuwachs der (offiziellen) Einkommen der Superreichen. Hier sehen Sie den Verlauf der Arbeitslosenzahlen von 1950 bis 1997 (orangene Linie, Statistische Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 1998, S. 119):

Legt man dieses Diagramm über das Diagramm der Einkommensentwicklung, ergibt sich folgendes Bild:

Es soll hier nicht spekuliert werden. Aber nach meiner Überzeugung ist diese Parallele kein Zufall.

Die Wirtschaft floriert nur dann, wenn alle hinreichend am Geldfluss partizipieren. Es ist ein Irrglaube, dass die wenigen Wohlhabenden das Geld, das sie einnehmen, wieder so in die Wirtschaft streuen, dass alle in diesem Sinne partizipieren (dazu gleich mehr). Im September 1999 gab es eine Fernsehsendung über eine Vernissage und Auktion von Sotheby's in Deutschland (vgl. auch http://www.kunstmarkt.de/Auktionsberichte/sothebys/0615_sothebys_nb.htm). Ein junger Herzog von Württemberg ist dort der neue Chef. U. a. ein Gemälde für 17 Mio. DM stand zum Verkauf. Viele wohl begüterte Herrschaften waren geladen. Eine ältere, sicher gut betuchte Dame meinte völlig ernst, wenn ihre Aktien die nächsten Tage noch etwas stiegen, würde sie das Gemälde kaufen. Das zeigt zweierlei: 1. Die wirklich Reichen verdienen nicht, weil sie arbeiten, sondern weil sie besitzen: Das Gerede um "Arbeitsplätze" und darum, dass man "nur durch Arbeit zu etwas kommt", dient vor allem den Reichen. 2. Das Geld des einen Reichen wandert in die Taschen des andern Reichen. Oder welcher Normalbürger hätte schon ein Gemälde für 17 Mio. DM zu verkaufen?!

Eine Wirtschaft ist nur so lange gesund, wie der Unterschied zwischen großen und kleinen Blutgefäßen nur so groß ist, dass noch genügend Blut in den kleinen Gefäßen fließt. Auch unsere Mittelschicht leidet letztlich unter der Armut bzw. Besitzlosigkeit der Unterschicht, soweit sie nicht Mieten kassiert oder von den (billigen) Arbeitskräften profitiert. Denn sie kommt direkt oder indirekt mit für Sozial- und Arbeitslosenhilfe auf. Auch ist ihre Steuerlast höher, weil von den vielen "Armen" keine oder kaum Steuern abverlangt werden.

Fließt Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld bzw. -hilfe, dann ist diese Grenze des erträglichen Unterschieds zwischen großen und kleinen "Blutgefäßen" bereits überschritten.

Es ist wie der Nil in der Wüste: Der Fluss ist breit und stark, aber er versorgt nur wenig Land mit Wasser. Daher ist das meiste Land eine Wüste. Würde das Wasser des Nil sich besser über das Land verteilen, wäre das Land insgesamt fruchtbar. Würde sich hier in Deutschland der Geldfluss unter der Bevölkerung besser verteilen, wäre die Wirtschaft gesund. (Lesen Sie hierzu: "Wenn das Geld fließt, wie der Nil in der Wüste" in http://www.dr-wo.de/schriften/nil/index.htm)



 
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